Nationalpark Eifel

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Warum verlieren Laubbäume im Winter ihr Blätterkleid?

Die Tage werden immer kürzer und die Nachttemperaturen gehen gegen den Gefrierpunkt. Es ist nicht mehr zu übersehen, der Winter kommt mit großen Schritten. Auch an unseren Laubbäumen macht sich die kalte Jahreszeit bemerkbar. Doch statt sich warm anzuziehen, verlieren die Laubbäume ihre Blätter und stehen nackt da.

Genau wie der Mensch merkt der Baum den Jahreszeitenwechsel. Er bekommt kalte Füße oder, besser gesagt, durch den kälter werdenden Boden kalte Wurzeln. Der Baum stellt nun seinen Wasserhaushalt ein. Über seine Blätter verdunstet jede Pflanze Wasser, das sie über die Wurzeln aufnimmt. Bei einer alten Buche können das an einem Sommertag einige hundert Liter Flüssigkeitsverlust bedeuten. Würde der Baum im Herbst seine Blätter nicht abwerfen, würde er im Winter, wenn der Boden gefroren ist, vertrocknen.

Um das Blatt abschütteln zu können, entsteht im Herbst zwischen Baum und Blatt beziehungsweise Ast und Blatt eine dünne Korkschicht. Diese lässt dann kein Wasser mehr durch und das Blatt vertrocknet. Nun entstehen die bunten Farben, die unseren Herbstspaziergang zu einem besonderen Erlebnis werden lassen. Dies geschieht, weil Chlorophyll abgebaut wird, das für die Grünfärbung des Blattes verantwortlich ist. Jetzt kommen andere chemische Stoffe, die zuvor vom Chlorophyll überlagert waren, zum Vorschein. Nämlich Carotinoide, die die Blätter gelb und orange erscheinen lassen. Die Anthocyane im Blatt sind nun rot zu sehen.

Die dünne Korkschicht zwischen Baum und Blatt ist gleichzeitig eine Sollbruchstelle. Beim nächsten Wind oder Sturm und bei weiterem Temperaturrückgang trudelt nun das Blatt zu Boden. Was für manchen von uns lästig und unnütz erscheint, ist für die Natur und für viele Lebewesen in Garten und Wald unentbehrlich: die Laubschicht, die im Herbst unter den Bäumen entsteht. Für abertausende Kleinstlebewesen wie Asseln, Tausendfüßler, Springschwanze oder Pilze ist das herabgefallene Laub deren Lebensraum. Es schützt vor Frost und Austrocknung des Oberbodens und ist gleichzeitig Nahrung.

Auch Bodenpflanzen beziehungsweise deren Wurzeln oder Zwiebeln, erfrieren und  vertrocknen unter der herabgefallenen Laubschicht nicht. Sie legt sich wie ein schützender Mantel auf den Waldboden. Darunter verkriechen sich ebenfalls Insektenlarven, Spinnen oder auch Igel und Kröten, um dort zu überwintern.

Zu guter Letzt schließt sich der Nahrungskreislauf der Bäume. Kleinstlebewesen haben die tieferen Falllaubschichten der letzten Jahre zerfressen und sie wieder ausgeschieden. Pilze haben sie zersetzt. Nun werden die Nährstoffe vom Regen in die Erde gespült. Der Baum kann diese dann wieder mit seinen Wurzeln aufnehmen und im nächsten Frühjahr neue Blätter wachsen lassen.

Ein perfekter Nährstoffkreislauf also. Vielleicht überlegt Ihr Euch ja nun, ob ihr das Laub in Eurem Garten weg sorgt, oder Eurem Garten und dessen Bewohnern den Gefallen tut, es dort liegen zu lassen?

Bis bald, vielleicht im Nationalpark Eifel-Wald!

Euer Ranger Sascha Wilden

 
 
 



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