Nationalpark Eifel

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Ranger Sascha bittet um Verständnis für aktuelle Waldarbeiten

Januar 2011. Es ist Winterzeit im Nationalpark Eifel. Alles geht etwas gemächlicher und ruhiger zu als zur Sommerzeit. Tiere und Pflanzen haben sich auf die kalte und nahrungsärmere Zeit im Wald eingestellt. Sie haben ihren Energiehaushalt auf das Nötigste zurückgefahren. Auch Wanderer und Spaziergänger sind seltener unterwegs. Schließlich sind die Tage ja auch noch sehr kurz. Doch die Nationalparkbesucher, die zurzeit unterwegs sind, bleiben nicht überall ungestört. Wer jetzt im Wald seine Ruhe sucht, muss in einigen Bereichen mit Maschinengeräuschen und LKWs rechnen, die auf den Waldwegen ebenfalls unterwegs sind. Da fragt sich sicherlich der eine oder andere von euch: Warum ist das so? Muss das denn sein?

Im Nationalpark Eifel ist es so, dass es zwei Baumarten gibt, die ohne den Menschen dort nicht vorkommen würden. Das sind die Nadelbaumarten Fichte und Douglasie. Diese sollen langfristig wieder ganz aus dem Schutzgebiet verschwinden. Sie gefährden die gewünschte Entwicklung hin zum Laubmischwald, der von Natur aus vorherrschen würde.

In den Fichtenwäldern werden zunächst einzelne Bäume entnommen. Es kann mehr Licht einfallen und einheimische Baumarten können diese Lücken dann wieder schließen. Diese Maßnahmen sind auf die beiden Südbereiche Dedenborn und Wahlerscheid sowie auf die Fichtenbestände am Rande der Dreiborner Hochfläche beschränkt.

Dass wir Ranger in südlichen Bereichen des Nationalparks der Rotbuche etwas unter die Äste greifen, ist ja kein Geheimnis! (mehr Infos hier) Die Douglasie wird ganzflächig entfernt, denn sie wächst sehr schnell, wird sehr groß und ihr Samen keimt überall gut. Die Douglasie wird so für die einheimischen Baum- und Straucharten zum Problem. Sie würde zum Beispiel die Eichen vielerorts verdrängen. Teilweise wird diese Arbeit von Forstwirten mit der Motorsäge erledigt. Meist sind aber Forstmaschinen, so genannte Vollernter oder Harvester, im Einsatz. Diese Maschinen fällen die Bäume, schneiden die Äste ab und sägen die Stämme in die gewünschten Längen ein. Danach sammelt eine andere Maschine das Holz im Wald ein und legt es am Wegesrand zu großen Haufen ab. Von dort aus wird der begehrte Rohstoff Holz dann mit LKWs aus dem Wald gefahren. Die LKWs fahren das Holz in die Sägewerke, zu Papierfabriken oder Pelletwerke.

Dass diese Arbeiten jetzt, in der Winterzeit, stattfinden hat seinen Sinn. Denn jetzt haben Vögel noch keine Nester in den Bäumen gebaut. Auch die anderen Wildtiere haben noch keinen Nachwuchs, der durch die Arbeiten in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. So lässt beispielsweise die Ricke, das weibliche Reh, bei Gefahr ihr noch geruchloses Kitz im hohen Gras oder Gebüsch zurück. Dort bleibt es ruhig liegen. Ein Verhalten, das vor Raubtieren schützt. Bei den gefährlichen Baumfällungsarbeiten kann jedoch genau dies zu einer tödlichen Falle werden kann.

Das Holz wird außerdem im Winter geerntet, weil die Bäume dann in der sogenannten Saftruhe sind. Der Baum zieht kein Wasser und das Holz kommt trockener aus dem Wald. Auch die Rinde der Bäume, die nicht abgeholzt werden, ist jetzt nicht so empfindlich und vor Verletzungen besser geschützt. Ein weiterer Grund, diese Arbeiten im Winter zu machen ist, dass Bodenschäden bei gefrorenem Untergrund und Schnee vermieden werden.

Leider hat das Ganze auch einen Nachteil. Durch die schweren Holztransporter werden die Wege oft stark beansprucht. Das bedeutet dann für die Wanderer, die unterwegs sind, dass die Wege oft schlecht begehbar sind. Nicht selten werden Waldwege stark ausgefahren. Schmelz- und Regenwasser tun den Rest dazu. Schmutzige Schuhe sind da noch das kleinste Übel.

Wir, die Mitarbeiter des Nationalparks Eifel, möchten euch auf diese Situationen hinweisen. Die Wege werden so bald wie möglich wieder in Ordnung gebracht, sofern es die offiziellen Wanderwege des Nationalparks betrifft. Andere Wege, die nicht mehr zum Wegeplan der Nationalparkverordnung gehören, werden nach Abschluss der Entwicklungs- und Renaturierungsmaßnahmen zurückgebaut. Sie werden dann der Natur überlassen und wachsen mit der Zeit zu.

Auch an dieser Stelle noch mal die Bitte um Verständnis, solltet ihr in den nächsten Wochen auf dem einen oder anderen Weg unterwegs sein, der nicht in Ordnung ist. Wie ihr seht, hat auch dies seinen Sinn zum Vorteil der Natur!

Bis bald, Euer Ranger Sascha Wilden

Zu den gesammelten Werken von Ranger Sascha 

 
 
 



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