Nationalpark Eifel

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Vermisstenanzeige: Wo ist der Urftsee geblieben?

Ranger Sascha auf der Suche nach einem verschwundenen Gewässer

September 2011. Wer in letzter Zeit am Urftstausee entlang gewandert oder geradelt ist, hat vielleicht nicht schlecht gestaunt. Denn wo sonst der See beginnt, ist zurzeit nur ein schmaler Fluss übrig geblieben. Da stellt sich vielen Besuchern des Nationalparks Eifel die Frage, warum der Wasserstand momentan so extrem niedrig ist. Andere Wanderer möchten wissen, ob der Stausee bei weiterer Trockenheit eventuell ganz verschwindet. Grund genug, einmal etwas genauer nachzufragen.

Zuständig für die meisten Talsperren der Region Nordeifel ist der Wasserverband Eifel-Rur (WVER), der seinen Verwaltungssitz in Düren hat. Hier habe ich mit Joachim Lange gesprochen, der mir allgemeine Infos zu Talsperren und auch sehr viele interessante Details zum aktuellen Stand der Urfttalsperre erzählen konnte:

Talsperren regulieren die unterschiedlichen Wasseraufkommen der vier Jahreszeiten für eine gleichmäßige Nutzung über das Jahr hinweg. In wasserreichen Zeiten schützen die Talsperren vor Überschwemmungen. Zu den wasserärmeren Jahreszeiten Sommer und Frühherbst wird dann aus den angestauten Wassermassen genügend Wasser in die Flüsse abgegeben. Damit werden in der Eifel zum Beispiel die Papierfabriken unterhalb der Rurstauseen mit Wasser versorgt und die Trinkwasserunternehmen mit Rohwasser für die öffentliche Trinkwasserversorgung beliefert.

In den vergangenen gut hundert Jahren hat der Mensch eine Reihe von Talsperren errichtet. Die Urftstaumauer ist die älteste Staumauer der Eifel-Region, erbaut von 1900 bis 1905. Seitdem staut sie das Wasser der Urft und der Olef bis zu einem Vollstauziel von 45,5 Millionen Kubikmeter Wassermenge an.

Aber warum ist die Urfttalsperre jetzt so leer? Um dem niedrigen Wasserstand auf den Grund zu gehen, muss man bis weit in den letzten Winter zurückdenken. Der hatte es im Dezember mit rekordverdächtigen Schneemassen in sich. Diese schmolzen mit kräftigen Regenfällen bis Mitte Januar ab und fluteten in die Bäche, Flüsse und damit auch in die Talsperren der Region. Die Talsperren, oder besser gesagt die Hochwasser-Rückhalteräume der Talsperren, mussten aber nach Abklingen des Hochwassers vorsorglich entleert werden, denn weitere Wassermengen waren nicht auszuschließen. Doch die Natur hat bekanntlich ihre unvorhersehbaren Launen, und das auch in diesem Jahr: Nach der Schneeschmelze im Januar hat es, womit keiner rechnete, gut drei Monate kaum geregnet. Der nächste nennenswerte Regen kam erst im Juni, und bevor diese Niederschläge in den Stauseen ankommen konnte, wurden bis zu 95 Prozent von der Vegetation aufgenommen oder verdunsteten. Das Rückhaltevolumen der Talsperren hatte in diesem Frühjahr also keine Möglichkeit, sich zu füllen. Deshalb sieht man derzeit nicht mehr als ein kleines Rinnsal an der Stelle, wo sich im Winter noch der See erstreckte.

Die Kunst ist es, möglichst alle konkurrierenden Ansprüche an die Talsperren-Wasserwirtschaft in ausgewogener Weise zu bedienen. Das ist eben deshalb so schwierig, weil es trotz aller Technik immer noch nicht möglich ist, das Witterungsgeschehen mehr als drei bis vier Tage genau vorherzusehen. Darum stützen sich die Experten auf erfasste Messwerte von bis zu 110 Jahren Dauer.  

Das Wasser des Urftstausees wird im Normalfall und zunächst ausschließlich zur Stromerzeugung im Jugendstil-Kraftwerk in Heimbach-Hasenfeld genutzt. Das Wasser fließt durch einen Stollen quer durch den Gebirgsrücken des Kermeters. Am Ende des 2,7 Kilometer langen Tunnels treibt das Wasser dann bis zu 110 Meter tiefer die Turbinen des Kraftwerks an. Diese Nutzung des Urftwassers will man aber in Kürze vorübergehend einstellen. Eben weil vom höchstmöglichen Stauvolumen (45,5 Millionen Kubikmeter) zur Zeit nur noch sechs Millionen Kubikmeter vorhanden sind. Das sind noch circa 13 Prozent. Und wenn der Wasserstand im Obersee der benachbarten Rurstalsperre noch etwa einen Meter sinkt, wird Wasser aus dem höher gelegenen Urftsee in den Obersee geleitet. Das geschieht durch den Grundablass der Urftstaumauer, für uns also nicht sichtbar.

Das jedoch ist noch nicht der Fall. Joachim Lange vom Wasserverband Eifel-Rur versichert, dass sich zwar die Wasserstände der Stauseen derzeit durchaus unternormal entwickeln, aber deshalb keine Wasserknappheit zu befürchten ist. Der Urftsee ist zudem der Stausee, der immer am schnellsten und sichtbarsten von den Extremen betroffen ist. Der Obersee der Rurtalsperre als Trinkwasserspeicher ist aber noch gefüllt, der Hauptsee ist noch über die Hälfte mit Wasservorräten angestaut und der Urftsee wird auch nicht verschwinden. Es gibt also keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Die Wasserwirtschaftler des WVER haben die Situation im Griff!

Bis bald, euer Ranger-Detektiv Sascha Wilden

Zu den gesammelten Werken von Ranger Sascha 

 
 
 



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