Nationalpark Eifel

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Was ist denn hier los? Ranger Sascha zum Schicksal der Douglasien

Dezember 2011. "Was ist denn hier los?" lautet die Frage vieler Nationalparkbesucher, wenn sie einem Ranger begegnen. Deshalb haben die Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung Eifel schon vor einigen Monaten auf die am häufigsten gestellten Fragen reagiert. „Was ist denn hier los?" lautet auch die Überschrift der Schilder an verschiedenen Stellen im Nationalpark, wo wir mit bestimmten Maßnahmen noch in die Natur eingreifen müssen. Danach erst können wir sie, gemäß des Nationalparkmottos „Natur Natur sein lassen", sich selbst überlassen.

Diese errichteten Schilder, auf denen wir solche Maßnahmen erläutern, nennen wir deshalb auch Maßnahmenschilder. Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung haben die Inhalte entwickelt und die Schilder produzieren lassen. Anschließend fertigten die Ranger unserer Holzbauwerkstatt für die gedruckten Schilder Holzrahmen und -stützen an und stellten alles an den entsprechenden Stellen im Nationalpark auf. Mehrere dieser Stellen befinden sich dort, wo Douglasien gefällt wurden beziehungsweise in naher Zukunft noch geerntet werden. Dieses Thema möchte ich heute auch in meinem Rangerbericht aufgreifen, denn es tut sich wieder einiges im Schutzgebiet. Jetzt, in der Winterzeit, findet hier der Holzeinschlag statt.

Die Douglasie, die im Volksmund auch Douglastanne, Douglaskiefer oder Douglasfichte genannt wird, ist eine stattliche Baumart. In der letzten Eiszeit, vor circa zehntausend Jahren, ist diese Nadelbaumart in Europa ausgestorben, hat aber in Nordamerika überlebt. Wobei man sich nicht sicher ist, ob genau die heute hier angepflanzten Arten vor der Eiszeit überhaupt in Europa vorkamen.

Die erste Douglasie wurde im 19. Jahrhundert dann erstmals in Europa, nämlich in der Nähe von London, gepflanzt. Deren Samen stammte von Bäumen aus Nordamerika. In Deutschland hielt die Douglasie vor gut 120 Jahren ihren Einzug. Mit großem Erfolg, denn der Baum kommt mit den Gegebenheiten hier gut zurecht und wächst sehr schnell. Besonders nach dem zweiten Weltkrieg und in den Jahrzehnten danach, als viele Wälder in Deutschland zerstört waren, wurde die Douglasie sehr häufig angepflanzt. Das harte, mit einem roten Kern wachsende, Holz kann vielseitig verwendet werden. Besonders gut geeignet ist das Holz um eine tragende Funktion, zum Beispiel als Dachstuhl eines Hauses, zu übernehmen. Im Außenbereich hält es sehr lange den Witterungseinflüssen, also Wind, Regen und Sonneneinstrahlung, stand. Nun ratet mal, aus welchem Holz unsere Nationalparkeinrichtungen gefertigt sind ;-)

Wissenswert ist auch noch, dass der höchste Baum Deutschlands mit einer Höhe von über 63 Metern eine Douglasie ist. Sie steht in der Nähe von Freiburg im Breisgau und ist erst 90 Jahre alt. In ihrer Heimat Nordamerika wird die Baumart sogar fast doppelt so groß. Es gibt verschiedene Unterarten der Douglasie, die je nach Art zwischen 400 und 1400 Jahre alt werden können.

Soweit die imponierenden Informationen zu der Baumart, die im Nationalpark Eifel in den nächsten Jahren wieder verschwinden soll. Warum ist das so? Dazu muss man wissen, dass sich die Douglasie in vielen Bereichen des Nationalparks sehr rasch verbreiten würde. Denn ihr leichter Samen verteilt sich bei Wind und Sturm über mehrere hundert Meter. Er keimt dort auf Freiflächen und unter anderen einheimischen Baumbeständen. Besonders unter den Eichenbeständen, die viel Licht an den Waldboden durchlassen, macht sich die Douglasie sehr schnell breit. Sie würde dort in den nächsten Jahrzehnten die Eichen verdrängen.

Das Ziel in einem Nationalpark ist es jedoch, die einheimischen Pflanzen und Tiere beziehungsweise deren Lebensraum zu schützen. Ohne den Menschen wäre die Douglasie gar nicht erst im Nationalpark vorhanden. Da sie für die einheimische Pflanzen- und früher oder später auch die Tierwelt eine Bedrohung darstellt, wird sie in den nächsten Jahren das Bild des Nationalparks Eifel verlassen. Doch nicht ganz. Denn einige Bäume sind schon vorzeitig geringelt worden. Das heißt, dass einzelnen Douglasien in einer Breite von circa 40 Zentimetern einmal ringsherum die Rinde entfernt wurde. Den Bäumen sind damit die Nährstoffleitbahnen durchtrennt worden und sie sterben stehend ab. Somit wird der Totholzanteil und auch der ökologisch besonders wertvolle Anteil an stehendem Totholz erhöht. Das hat zur Folge, dass dort der Artenreichtum an Pilzen, Insekten und Kleinstlebewesen deutlich erhöht wird. Was wiederum Auswirkung auf größere Tiere hat. So findet beispielsweise der Specht mehr Nahrungsangebote und stehendes Totholz, um Bruthöhlen anzulegen.

Die Entfernung der Bäume erfolgt im Nationalpark Eifel in der Winterzeit. Dann kann Boden schonend gearbeitet werden. Auch die Tiere und Pflanzen im Schutzgebiet haben den wenigsten Stress mit den Maßnahmen. Bis spätestens zehn Jahre nach Genehmigung des Nationalparkplans sollen alle Douglasienbestände im Nationalpark Eifel verschwunden sein. Das ist bis zum Jahre 2016. Dies wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch umgesetzt werden können. Danach werden noch die jungen Bäume, die sich durch die Saat der alten Douglasien breit gemacht haben, entfernt.

Mit den errichteten Maßnahmenschildern bekommen die Besucher im Nationalpark Antworten auf ihre Fragen, auch ohne dass ein Ranger vor Ort ist. Das ist gut so, denn wir können schließlich nicht immer überall sein. Wenn ihr aber noch mehr Fragen habt, dann kommt doch einfach zu einer der zahlreichen Rangerführung. Diese finden nämlich auch im Winter statt. Jedoch nicht an den Weihnachtsfeiertagen. Die aktuellen Termine und Zeiten findet ihr hier.

Bis bald, Euer Ranger Sascha Wilden

Zu den gesammelten Werken von Ranger Sascha 

 
 
 



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