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Tiere der Grünlandflächen

So vielfältig, wie die Vegetation der unterschiedlichen Grünlandbiotope, stellt sich auch deren Tierwelt dar. Zu den in den Wiesen und Weiden brütenden Vögel zählen beispielsweise als sehr häufige Arten auf der Dreiborner Hochfläche der Wiesenpieper (Anthus pratensis), sein enger Verwandter, der Baumpieper (Anthus trivialis) sowie die Feldlerche (Alauda arvensi).

Die ansonsten unscheinbaren, braun-weiß befiederten Feldlerche fallen besonders durch ihre charakteristischen Singflüge auf. Dabei steigen sie über ihren Revieren begleitet von einem hellen, trillernden Gesang langsam kreisend in die Höhe, einige Zeit singend am höchsten Punkt verbleibend, um sich dann rasch fallend wieder zu Boden sinken zu lassen, wo sie schlagartig „unsichtbar“ werden. Alle drei Arten sind in der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten aufgeführt.

Wer aufmerksam im Sommer über die Dreiborner Hochfläche wandert, kann in manchen Jahren stellenweise im Sommer den nicht zu verwechselnden, dreisilbigen „Schlag“ der Wachtel (Coturnix coturnix) hören. Es handelt sich hier um die höchstgelegensten Vorkommen dieses selten gewordenen, ehemaligen Charaktervogel vielfältig strukturierter Offenlandschaften.

Zur Nahrungssuche kommen neben vielen weit verbreiteten Singvogelarten z. B. die Misteldrossel (Turdus viscivorus), die Singdrossel (Turdus philomelos) und die Goldammer (Emberiza citrinella) aus den umliegenden Gehölzen auf das Grünland. Auch Greifvogelarten wie der Mäusebussard (Buteo buteo), der Turmfalke (Falco tinnunculus) oder der Schwarz- (Milvus migrans) wie der Rotmilan (Milvus mivus) überfliegen das Offenlandland auf Beutesuche.

Als Beute werden hier neben Kleinsäugern wie der Feldmaus (Microtus arvalis), der Erdmaus (Microtus agrestis) oder der Schermaus (Arvicola terrestris) auch größere Insekten angenommen. So kommt auf den trockeneren Hochflächen mit ihren Bergmähwiesen oder Borstgrasrasen neben meist weit verbreiteten Arten wie manchen Grashüpfern (Chorthippus) als typische Heuschrecke der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) vor, eine in Nordrhein-Westfalen stark gefährdete Art. Er wurde tatsächlich in der Vergangenheit zur Entfernung von Warzen benutzt, da er sich, wenn er angefasst wird, als Schreckreaktion in die Haut verbeißen kann und dabei einen ätzenden Verdauungssaft in die entstandene Wunde ausscheidet. Eine sehr große, häufige Heuschrecke ist das Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima).

Unter den zahlreichen tag- und nachtaktiven Schmetterlingen auf den Hochflächen kann man den Mohrenfalter (Erebia medusa), das Thymian-Blutströpfchen (Zygaena purpuralis) oder das Sauerampfer-Grünwidderchen (Adscita statices) als gefährdete Arten hervorheben. Sehr häufig ist der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), zu sehen, dessen Männchen sich durch blau-violette Flügeldecken auszeichnen.

Im Feucht- und Nassgrünland sind es andere Arten, die erwähnt werden müssen. So gelten unter den Schmetterlingen der Randring-Perlmutterfalter (Boloria eunomia) wie der Schwarzfleckige Perlmutterfalter (Boloria selene) ebenso als stark gefährdete Seltenheiten wie der Lilagold-Feuerfalter (Lycaena hippothoe). Auch das schon zuvor erwähnte Sauerampfer-Grünwidderchen, eine metallisch-grün glänzende Art aus der Gruppe der Widderchen kann im bachnahen Grünland leben. Der Randring-Perlmutterfalter kommt nordrhein-westfalenweit nur in der Eifel vor. Als Heuschrecke eher feuchter Wiesen gilt die Große Goldschrecke (Chrysochraon dispar).

Doch auch großen Wirbeltieren dienen die Wiesen und Weiden als wichtige Nahrungsquelle. So nutzen Rothirsch (Cervus elaphus), Reh (Capreolus capreolus) und Wildschwein (Sus scrofa) das Grünland im gesamten Nationalpark, während der Fuchs (Vulpes vulpes) oder die Wildkatze (Felis silvestris) vor allem auf der Jagd nach Kleinsäugern das Gebiet durchstreifen. Besonders wichtig für die Pflanzenfresser sind die Wiesen im Winter, wenn in den Wäldern kaum noch Nahrung zu finden ist. Eine Wildschweingruppe kann dabei auf seiner Suche nach unterirdischen Pflanzenteilen oder Insektenlarven über Nacht eine Wiese völlig zerwühlen.

Einen interessanten Anblick bieten schließlich während der Zugzeiten durchziehende Weihen, vor allem Wiesen- und Kornweihen (Circus pygargus, Circus cyaneus), die als tagaktive Greifvögel im typischen Gaukelflug über den Offenlandflächen der Dreiborner Hochfläche nach Beutetieren suchen.

 
 



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