Laubwälder - die Urwälder von morgen
Die Laubwälder im „Wald“-Nationalpark Eifel sind der herausragende Grund für die Ausweisung des Nationalparks und damit ein wesentlicher Schutzgegenstand. Ziel der Nationalparkverwaltung ist es, den bisherigen Anteil von rund einem Drittel an der Nationalparkfläche langfristig auf mindestens 75 Prozent deutlich zu erhöhen. Die Laubwälder sind dem Prozessschutz überlassen, das heisst hier greift die Nationalparkverwaltung nicht mehr gestaltend ein, hier darf Natur Natur sein. Im Verlauf von Jahrzehnten und Jahrhunderten werden sich diese oft noch von der früheren Waldbewirtschaftung geprägten Laubwälder zu Urwäldern frei entwickeln.
Landschaftlich prägend wegen ihres großen Flächenanteils sind die Buchen- und die Eichenwälder. Die Buchenwälder bedecken derzeit ca. 13 Prozent der Nationalparkfläche - vornehmlich im Kermeter und in Dedenborn. Der Buche kommt eine besondere Bedeutung im Nationalpark Eifel zu, da sie vor der intensiven Einflussnahme des Menschen den Hauptanteil an der Waldvegetation der Eifel bildete. Je nach Beschaffenheit des Untergrundes können wir verschiedene Buchenwaldtypen unterscheiden. Je basenreicher die Böden sind, umso üppiger sind hier im Frühjahr die bunten Blütenteppiche verschiedener Waldkräuter ausgebildet.
Eichenwälder haben einen Anteil von ca. 17 Prozent an der Nationalparkfläche. Natürlicherweise kommen Eichenwälder vor allem an den sonnenausgerichteten steilen Südhängen des Kermeters oder Urfttals vor. Hier hat die trockenheitstolerante Trauben-Eiche einen Konkurrenzvorteil vor anderen Laubbaumarten. Die meisten Eichen-Wälder des Nationalparks z. B. im Bezirk Hetzingen, im Kermeter oder auf der Dreiborner Hochfläche sind aber auf die Tätigkeit des Menschen zurückzuführen. Vor allem ihre gerbstoffreiche Rinde wurde für die Lederverarbeitung, das heisst für das Gerben der Felle, benötigt.
Aus Sicht des Naturschutzes besonders wertvoll sind auch Laubwaldtypen, die seltener im Nationalpark vorkommen. Häufig finden wir entlang vieler Bäche den Bachauenwald mit Schwarz-Erlen, Eschen und Weiden. In einigen Schluchten oder an steilen sonnenabgewandten Nordhängen, die ein spezielles feucht-kühlen Kleinklima prägen anspruchsvolle Laubbaumarten wie Ahorn, Linde, Ulme und Esche die Baumschicht. Auf dem Boden dominieren Farne, die sogenannte Krautschicht. Auf kleinen Flächen mit ständig nassem Untergrund treten schließlich im höher gelegenen Süden des Nationalparks Moorwälder aus Moor-Birke bzw. Schwarz-Erle auf. Ihre Bodenvegetation setzt sich besonders aus Moosen und Gräsern zusammen.
Auch für die Tierwelt sind die Laubwälder von besonderer Bedeutung. In ihnen kommen zahlreiche Vogelarten, Fledermäuse, Käfer und andere Insekten vor. Das Wild hält sich besonders in den stärker von Besuchern betretenen Bereichen vorzugsweise in dichteren Beständen auf.
