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26.08.2026

Insekt des Jahres 2026: Nationalpark Eifel schützt wichtige Population des Warzenbeißers

Schleiden, 26. August 2026. Eine bullige Heuschrecke mit merkwürdigem Namen steht im Jahr 2026 exemplarisch für die bedrohte Insektenvielfalt in halbtrockenen Wiesen: Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt am Main hat den Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) zum „Insekt des Jahres 2026“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgerufen. In Nordrhein-Westfalen ist diese Art vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. Der Nationalpark Eifel beherbergt die wohl größte Population im gesamten Bundesland und den angrenzenden Beneluxstaaten. 2023 haben Forschende der Nationalparkverwaltung auf der Dreiborner Hochfläche knapp 500 Individuen erfasst.

Seinen außergewöhnlichen Namen verdankt das Tier einem alten Volksglauben: Da die Heuschrecke kräftig zubeißen kann und dabei einen scharfen, verdauungsfördernden Saft abgibt, dachte man früher, sie könne Warzen heilen. Ein weiteres markantes Merkmal der bis zu vier Zentimeter großen Schrecke ist der charakteristische Gesang des Männchens, der aus kurzen, zirpenden „Zick-Lauten“ besteht. Mit seinem robusten Körper, den langen Fühlern und einem auffälligen, würfelförmigen Muster auf den Vorderflügeln ist das Insekt gut zu erkennen.

Mit ein bisschen Glück lässt sich der Warzenbeißer auch noch im späten Sommer im Nationalpark Eifel beobachten und hören, wo er auf weiten Teilen der Dreiborner Hochfläche heimisch ist. Diese rund 1.400 Hektar große Offenlandfläche ist aus dem Ende 2005 aufgegebenen, ehemaligen Truppenübungsplatz Vogelsang hervorgegangen. Als Folge des jahrzehntelangen militärischen Übungsbetriebs durch das belgische Militär entstand ein zerschneidungs- und siedlungsarmer Raum. In Verbindung mit den umgebenden Waldgebieten hat sich das Areal zu einem wertvollen Rückzugsort für zahlreiche seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten entwickelt.

Während im Nationalpark Eifel auf einem Großteil der Fläche die ungestörte Naturdynamik geschützt wird, würde der Warzenbeißer genau dadurch seinen Lebensraum verlieren. Denn ohne Pflege würden die Flächen verfilzen und zuwachsen. In anderen Bereichen – wie der Dreiborner Hochfläche – lebt die Heuschrecke jedoch in einer geschützten Managementzone. Etwa die Hälfte der dortigen Offenlandbereiche wird dauerhaft als solche erhalten. Über Verträge mit örtlichen Landwirten und Schäfern werden die Flächen gezielt gepflegt. Eine extensive Grünlandnutzung durch Beweidung oder eine einmalige Mahd im Jahr ist ideal zum Erhalt seiner Lebensräume.

In vielen Gebieten Nordwesteuropas wird der Warzenbeißer seit Jahrzehnten immer seltener. Auch in Deutschland sind die Bestände in vielen Regionen stark zurückgegangen. Die Hauptursache hierfür liegt im Verschwinden magerer Grünlandflächen durch intensive landwirtschaftliche Nutzung sowie den hohen Eintrag von Düngemitteln und Stickstoffen. Da dieser negative Trend vielerorts ungebremst anhält und immer wieder kleine Restpopulationen aussterben, ist der Erhalt der hiesigen Bestände von besonderer Bedeutung. Ziel des Nationalparks ist es daher, ein vielfältiges Mosaik aus Beweidung, Mahd und sporadisch gepflegten Brachen zu bewahren. Nur so kann sichergestellt werden, dass stark gefährdete Arten der offenen Grünlandlebensräume, wie der Warzenbeißer, dauerhaft in der Eifel überleben.

Fotos zum Download und zur Veröffentlichung

Bild 1: Der Warzenbeißer ist zum Insekt des Jahres 2026 ausgerufen. Er ist auf extensives Grünland durch Beweidung oder einmalige Mahd im Jahr angewiesen. (Foto: Nationalparkverwaltung Eifel/S. Twietmeyer)

Bild 2: Auf der Dreiborner Hochfläche im Nationalpark Eifel fühlt sich der Warzenbeißer noch wohl. Dort lebt die größte Population in NRW. (Foto: Nationalparkverwaltung Eifel/S. Twietmeyer)

Annette Simantke

Annette Simantke

Fachgebiet Besuchermanagement und Kommunikation
Urftseestraße 34
53937 Schleiden-Gemünd
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