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14.10.2026

Nationalpark Eifel unterstützt Wildtierforschung ohne Grenzen

Lokale Daten, kontinentaler Blick: Nationalpark Eifel liefert Puzzlestück für größte Wildtierstudie des Kontinents

Schleiden-Gemünd/Europa, 14. Oktober 2026. Wie entwickeln sich die Bestände von Säugetieren und Vögeln in Europa, und wie reagieren Tiere auf menschliche Einflüsse? Um diese Fragen kontinental zu beantworten, vereint das Netzwerk Snapshot Europe über 20 Länder in der größten frei zugänglichen Wildtiererhebung Europas. Die Nationalparkverwaltung Eifel unterstützt die Initiative mit Fotofallendaten aus dem Nationalpark: Bislang gibt es von 60 Standorten insgesamt 35.000 Aufnahmen.

„Durch die Teilnahme an Snapshot Europe stellen wir unsere Daten aus dem Nationalpark Eifel direkt in einen europäischen Gesamtzusammenhang“, erklärt Biogeograph Sönke Twietmeyer von der Nationalparkverwaltung. „Wir sehen dadurch nicht nur, wie sich die Populationen vor unserer Haustür entwickeln, sondern verstehen auch besser, wie der Nationalpark Eifel als Rückzugsort im europäischen Schutzgebietsnetz wirkt.“

Standardisierte Forschung über Ländergrenzen hinweg
Wildtiere stören sich nicht an Ländergrenzen – gerade deshalb sind international standardisierte Forschungsprojekte besonders wichtig. Snapshot Europe wurde 2021 vom Max-Planck-Institut für Tierverhalten gemeinsam mit dem Forschungsnetzwerk Euromammals ins Leben gerufen, um genau diese Lücke zu schließen.

Jedes Jahr von Anfang September bis Ende Oktober stellen über 160 Fachleute sowie hunderte Freiwillige in Wildnisgebieten, Wäldern, Parks und Städten Fotofallen nach standardisierten Kriterien auf. Die Kameras erfassen damit eine große Bandbreite an Arten - von kleinen Nagetieren bis hin zu Braunbären.

Das Expertenteam hat nun die standardisierten Daten der ersten beiden Jahre (2021 und 2022) veröffentlicht: Über 100.000 Beobachtungen an mehr als 1.000 Standorten in 20 Ländern. Die Auswertung erfolgt auf der Plattform Wildlife Insights, wo eine integrierte Künstliche Intelligenz (KI) Tiere automatisch voridentifiziert, bevor Experten die Bestimmung prüfen. Am häufigsten wurden Rothirsche und Rehe erfasst, gefolgt von Wildschweinen, Rotfüchsen und Wildkaninchen.

„Wir haben atemberaubende Bilder von Wildtieren, von Alpenlandschaften über spanische Strände bis hin zu den Hügeln Irlands“, erklärt Erstautorin und wissenschaftliche Koordinatorin Dr. Fabiola Iannarilli. „Diese Vielfalt wird selten in einem öffentlichen Datensatz erfasst, daher ist Snapshot Europe eine einzigartige Informationsquelle für kontinentale Forschungsfragen.“

Invasive Arten und regionale Vielfalt
Die Ergebnisse verdeutlichen regionale Unterschiede in ganz Europa: Während Belgien die höchste Dichte täglicher Beobachtungen, vor allem Europäische Kaninchen, verzeichnete, wies der Parco Nazionale Casentino in Italien mit 15 dokumentierten Arten - darunter Wölfe, Marder, Dachse und Rothirsche - die höchste Artenvielfalt auf.

Zudem hilft der offene Datensatz dabei, die Verbreitung gebietsfremder Arten nachzuvollziehen. So konnten Waschbären – eine ursprünglich aus Nordamerika stammende Art – in Deutschland, Italien und der Tschechischen Republik nachgewiesen werden.
Aktuell wertet das Forschungsteam die Ergebnisse von 2023-2025 aus. Durch die jährliche Wiederholung von Snapshot Europe werden Vergleiche über einen längeren Zeitraum möglich, sodass ein Bild davon entsteht, wie sich die Wildpopulationen in Europa verändern. Das Modell dient mittlerweile als Blaupause für die weltweite Initiative Snapshot Global, an der sich bereits Länder wie Japan, Brasilien, Chile und Paraguay beteiligen.

Über Snapshot Global & Euromammals
• Snapshot Global: Bringt Wissenschaftler weltweit zusammen, um Landtiere mit standardisierten Fotofallen-Erhebungen vergleichend zu erforschen (https://snapshot-global.org/).
• Euromammals: Eine 2008 gegründete Initiative zur Förderung der Erforschung terrestrischer Säugetiere in Europa auf Basis von transparenten und offenen FAIR-Datenpraktiken (https://euromammals.org/).

Fotos zum Download und zur Veröffentlichung 

Bild 1: Heimischer Offenland- und Waldbewohner: Ein Feldhase vor der Fotofalle im Nationalpark Eifel. Nicht-invasive Kamerasysteme ermöglichen Einblicke in die Populationen europäischer Säugetiere. (Foto: Fotofalle Nationalparkverwaltung Eifel/S. Twietmeyer)

Bild 2: Ungestörte Momente im Wald: Eine Fotofalle im Nationalpark Eifel dokumentiert eine Hirschkuh mit säugendem Kalb. Standardisierte Aufnahmen wie diese liefern wertvolle Daten über Nachwuchs und Aktivitätsmuster wildlebender Säugetiere. (Foto: Fotofalle Nationalparkverwaltung Eifel/S. Twietmeyer)

Bild 3: Heimischer Waldbewohner: Ein Wildschwein im Nationalpark Eifel bei der Nahrungssuche, aufgenommen von einer Fotofalle. Sie sind häufiger Gast vor der Linse und gehören laut der aktuellen Studie von Snapshot Europe zu den am häufigsten dokumentierten Säugetierarten. (Foto: Fotofalle Nationalparkverwaltung Eifel/S. Twietmeyer)

Bild 4: Heimlich unterwegs: Ein Dachs vor der Linse einer Fotofalle in Irland. (Foto: Iannarilli et al. Snapshot Europe 2021-2022)

Bild 5: Ein Fischotter eilt durch die Fotofalle in Portugal. (Foto: Iannarilli et al. Snapshot Europe 2021-2022)

Annette Simantke

Annette Simantke

Fachgebiet Besuchermanagement und Kommunikation
Urftseestraße 34
53937 Schleiden-Gemünd
02444 / 9510-57
02444 / 9510-85

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