17.07.2026
Seltene Artenfunde und erneuter Gästerekord im Nationalpark Eifel
Beteiligungsverfahren zu geplanter Erweiterung eingeleitet – Kulisse umfasst ausschließlich Landeswald und eine Stiftungsfläche
Schleiden-Gemünd, den 17. Juli 2026. Dass der Nationalpark Eifel ein echtes Aushängeschild für den Naturschutz in Nordrhein-Westfalen ist, belegen die Zahlen im aktuellen Nationalpark-Jahresbericht: Inzwischen konnten in dem Großschutzgebiet 11.582 Arten nachgewiesen werden, von denen 2.638 auf den Roten Listen stehen. Allein im Jahr 2025 konnten Forscherinnen und Forscher im Nationalpark weitere 157 Arten dokumentieren. Viele dieser Arten sind auf Wälder mit Alt- und Totholz angewiesen. Sie sind der lebende Beweis dafür, dass die zunehmende Strukturvielfalt im Nationalpark den benötigten Lebensraum für bedrohte Spezialisten schafft. Wie zum Beispiel für die Faulholzmotte, die sich nur in verrottendem Totholz entwickeln kann, oder der Schmetterling „Weißes Ordensband“, der in NRW sehr selten ist und ein Indikator für alte Eichenwälder.
Besonders originell erkundet der Pseudoskorpion neue Lebensstätten, die sich fast ausschließlich unter der Borke alter Bäume befinden: Er heftet sich dann einfach als blinder Passagier an andere flugfähige Insekten.
„Im vergangenen Jahr konnten wir gemeinsam mit der Region viele wichtige Schritte für die Nationalparkentwicklung machen. Nach und nach finden die Wälder im Nationalpark wieder in ihre eigenen Kreisläufe zurück. Die Artenfunde zeigen, wie wertvoll der Nationalpark für viele Arten ist. Gleichzeitig bietet der Nationalpark vielfältige Naturerlebnisse und Bildungsangebote“, so Nationalparkleiter Michael Lammertz im Rahmen der Vorstellung des Nationalpark-Jahresberichtes 2025 im neuen Gebäude der Nationalparkverwaltung in Schleiden-Gemünd.
Mit insgesamt 1.418.490 Nationalpark-Besuchen hat das vergangene Jahr sogar den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2024 um etwa 17.000 Besuche übertroffen. Allein an 1.261 organisierten Umweltbildungs- und Naturerlebnisveranstaltungen nahmen im vergangenen Jahr mehr als 22.300 Personen teil.
Wo es notwendig ist, unterstützt die Nationalparkverwaltung die Entwicklung der heimischen Lebensräume. Eine zentrale Maßnahme ist das Pflanzen von Laubbäumen unter alte Fichtenwälder, die in der Eifel nicht heimisch sind. Um den genetisch passenden Nachwuchs zu sichern, erntet die Verwaltung das Saatgut über Sammelnetze direkt unter den Altbäumen des Nationalparks. Nach zweijähriger Aufzucht in einer spezialisierten Baumschule folgt im kommenden Herbst das Einpflanzen von zirka 27.000 jungen Buchen. 2025 wurden bereits junge Bergahornpflanzen eingesetzt, um diese ebenfalls natürlich vorkommende Baumart zu ergänzen und die Artenvielfalt zu steigern.
Auch die Planungen zur Erweiterung des Nationalparks sind einen großen Schritt vorangekommen. Insgesamt soll der Nationalpark um 784 Hektar wachsen. Bei den Erweiterungsflächen handelt es sich ausschließlich um Flächen des Landes Nordrhein-Westfalen und eine kleine Stiftungsfläche. Private oder kommunale Flächen sollen nicht einbezogen werden. Für eine Aufnahme in den Nationalpark ist eine Änderung der Verordnung geplant, wozu derzeit ein umfangreiches Beteiligungsverfahren läuft.
Fotos zum Download und zur Veröffentlichung
Bild 1: Die Nationalparkverwaltung stellt ihren Jahresbericht 2025 vor: Die Präsentation fand erstmals vor dem neuen Verwaltungsgebäude statt – passend zum Einzug zeigt sich auch der Bericht selbst im neuen Design. (Foto: Nationalparkverwaltung Eifel/M. Menninghaus)
Bild 2: Erkundet als blinder Passagier auf Fluginsekten neue Lebensräume: Der seltene Pseudoskorpion (Dendrochernes cyrneus) wurde im 2025 erstmals im Nationalpark Eifel nachgewiesen. (Foto: P. Hoenle iNaturalist)
Bild 3: Sie liebt verpilztes Holz: Die Faulholzmotte (Schiffermuelleria schaeferella) ist nur dort zu finden, wo es ein kontinuierliches Angebot an liegendem und stehendem Totholz gibt, das bereits stark zersetzt ist. (Foto: F. Graf)
Bild 4: Die Kleiige Stecknadel (Chaenotheca furfuracea) wird immer seltener. Die Flechte wächst an alten Bäumen und gilt als wertvoller Altwaldzeiger. (Foto: H. Bültmann)
Bild 5: Mycoacia nothofagi Fagus, der Scheinbuchen-Fadenstachelpilz ist ein wichtiger Zersetzer von Totholz und wächst ganzjährig in abgestorbenen und morschen Stämmen und Ästen von Buchen. Im Nationalpark Eifel wurde er vier Mal nachgewiesen. Davon drei Mal in Bereichen, die bereits seit etwa 50 Jahren aus der wirtschaftlichen Nutzung sind. (Foto: L. Krieglsteiner)
Annette Simantke
53937 Schleiden-Gemünd